GamesCom 2013 – Ein Lebenszeichen

von Miriam Gerstenlauer und Henrike Ledig

Unseren zweiten Tag auf der Spielemesse haben wir erfolgreich und angestrengt zu Ende gebracht. Der erste offene Besuchertag für alle Gamerinnen, Gamer und SpielerInnen aller Art hat die Kapazitäten des Messegeländes ausgereizt: Menschenmassen wurden außen über Treppen umgeleitet, da die Rolltreppen überfüllt waren, am Call of Duty Stand gibt es sogar zwei Schlangen – beide mit jeweils sechs Stunden Wartezeit. Wir haben uns dennoch nicht unterkriegen lassen, darum gibt’s jetzt unsere Zusammenfassung vom zweiten Tag auf der GamesCom.

Hackende Wachhunde

Noch bevor die Hallen für die Privatbesucher geöffnet wurden, haben wir uns einen Platz in der Präsentation von Watch_Dogs ergattert. Der Spieler übernimmt die Rolle des Hackers Aiden, der sich in die gesamte Technik der an Chicago angelehnten Stadt einhacken kann. Somit hat der Spieler die Möglichkeit Ampelsysteme zu manipulieren, Überwachungskameras zur Übersicht des Gebiets zu nutzen, oder sich die Bankdaten von Passanten anzueignen um deren Konto leerzuräumen. Frei nach dem Motto „Moral ist, wenn man moralisch ist“ kann man sich gegen das Leerräumen des Bankkontos einer alleinerziehenden Mutter mit Kleinkind entscheiden und dafür einen vermögenden Geschäftsmann hacken. Doch man ist nicht der einzige Hacker im Spiel. Ist man online, so können andere Spieler auf der ganzen Welt einen Hackerangriff auf einen selbst starten. Ziel ist es nun mithilfe von Überwachungskameras, Webcams und allem was einem zur Verfügung steht den Eindringling ausfindig zu machen und zu eliminieren.
Da vom selben Entwicklerteam, erinnern einige Interface- und Spielelemente an Assassin’s Creed, wie beispielsweise das Einwählen in Rechenzentren (wie die Borgia-Türme in Assassin’s Creed: Brotherhood), jedoch scheint Watch_Dogs dem ersten Eindruck nach ein sehr innovatives und über längere Zeit Spaß versprechendes Spiel zu sein, mit herausragender Grafik und einer sehr großen Spielwelt. Definitiv ein Highlight der diesjährigen GamesCom, erscheint Ubisofts Watch_Dogs für Xbox One und 360 sowie PS3, PS4, PC und WiiU zum Launch der PS4 am 29. November 2013.

Nana nana nana nana

Ben Affleck wird der neue Batman – auf der GamesCom jedoch spielen wir Batman in seiner Anfangszeit. Das Spielsetting ist zeitlich noch vor Batman: Arkham Asylum zu verorten und der dunkle Ritter bekommt neue Gegner und Gadgets. Der Joker darf jedoch selbstverständlich auch hier nicht fehlen, jedoch ist der große Gegner Batmans diesmal Black Mask, ein skrupelloser Geschäftsmann der alle illegalen Machenschaften Gothams in Händen hält.
Begeistert hat uns vor allem Batmans neues Gadget, die Remote Claw. Damit kann man Gegenstände und/oder Gegner miteinander verbinden, um sie so auszuschalten. Beispielsweise kann man so einen gegnerischen Charakter aus sicherer Entfernung kopfüber an einem Wasserspeier aufhängen, oder in mit einem explosiven Fass verbinden – mit entsprechenden Folgen. Nach dem kurzen Eindruck den wir von Batman: Arkham Origins sammeln konnten, steht das Prequel seinen Vorgängern Arkham Asylum und Arkham City atmosphärisch in nichts nach und bietet trotzdem ein paar Neuerungen. Arkham Origins ist ein gutes Spiel um sich von der aktuellen Konsolengeneration zu verabschieden, denn dafür erscheint das Spiel am 25. Oktober 2013 für alle aktuellen Konsolen.

Von Knausereien und Hardwareschwindel

Immer dann, wenn eine neue Konsolengeneration ansteht, befindet sich die Gaminglandschaft in einem generellen Zustand des Umbruchs: Einerseits steht die nächste Konsole der Hersteller bereits in den Startlöchern, andererseits kann die Generation davor mit dem Erscheinen des Neuankömmlings nicht direkt abdanken. Dafür gibt es immer noch zu viele Nutzer der Vorgänger. Das zwingt die Entwickler dazu in diesen Zeiten ihre Spiele für beide Generationen verfügbar zu machen um möglichst keine Käufer zu verschrecken. Das ist schwierig, allerdings auch sehr gewinnbringend wenn richtig gemacht, wie z.B. im Fall von The Legend of Zelda: Twilight Princess, das damals sowohl auf Nintendos GameCube als auch auf der Wii erschien. Auf beiden war es gleichermaßen erfolgreich und wird von vielen Anhängern der Reihe noch heute als eines der besten Spiele in Erinnerung behalten. Der Publisher Ubisoft tut sich unserem Eindruck nach jedoch deutlich schwerer damit: So konnten wir ihr neuestes und hoch beworbenes Projekt Assassin’s Creed 4 – Black Flag bereits auf der neuen Playstation 4 anspielen und dieses ließ uns doch etwas enttäuscht zurück. Nicht nur, dass sich spielerisch nicht allzu viel positiv Vermerkbares getan hat, die Grafik wurde augenmerklich nicht auf die aktuellen Standards gehoben. Die Texturen sind schwammig, die Charaktere wirken steif und emotionslos. Zusätzlich fielen uns Unmengen Clipping-Fehler ins Auge. Hier wollte Ubisoft augenscheinlich noch sichtlich Geld sparen um ohne großen Aufwand den neuen Ableger der beliebten Reihe auch auf die neuste Konsolengeneration zu portieren.

Einen durchaus kritischen Blick entlockte uns auch Microsofts Xbox One, genauer gesagt, das zur Konsole mitgelieferte und anscheinend überlebenswichtige Gadget in Form der verbesserten Bewegungssteuerung Kinect. Wie warb der Hersteller bei der Präsentation von Microsofts neuem Flagschiff auf dem Konsolenmarkt noch mit der Präzisionserkennung der Spieler: Gesichtsausdrücke solle sie vom Spieler auslesen und jede Bewegen 1-zu-1 auf den Avatar ins Spiel übertragen können. Davon konnten wir bisher nichts bestätigen. Sowohl bei dem Martial-Arts-Kampfspiel Fighter Within als auch bei dem humorvollen Gruppenspiel Sports Rivals fiel die „neue“ Kinect durch außerordentliche Ungenauigkeit und Fehleranfälligkeit auf: Hiebe konnten nicht von Tritten unterschieden werden, geschweige denn überhaupt gerade Schläge von Haken. Im Zweifelsfall entscheidet sich die Bewegungssteuerung außerdem dafür, überhaupt nicht zu reagieren oder mitten in der Bewegung abzustürzen. Bei einer großen Messe wie der GamesCom, bei der die Besucher es auf sich nehmen, für einen ersten Blick auf eine Neuigkeit  auch bis zu sechs Stunden anzustehen, natürlich ein Desaster. Auf unsere Frage an die Austeller, ob es sich bei der an die Xbox One angeschlossenen Geräte tatsächlich um die neue Kinect handelte und nicht etwa um die alte Version, die seit ihrer Veröffentlichung für ihre Ungenauigkeit bekannt ist, erhielten wir übrigens keine Antwort.

Microsoft muss sich also noch schwer anstrengen, wenn die Kinect bis zum Launch der Xbox One,  der für November 2013 angedacht ist, funktionstüchtig sein und tatsächlich eine deutliche Verbesserung um Vorgängermodell bieten soll.

 

Fotos: GamesCom Presserserver, Miriam Gerstenlauer

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