Drama up your life!

von Alexander Karl

„Was wir über unsere Gesellschaft, ja über die Welt, in der wir leben, wissen, wissen wir durch die Massenmedien.“ Dieser durchaus schlaue Satz stammt von Niklas Luhmann, einem Soziologen, der sich auch mit den Medien befasst hat. Aber was lehren uns die Massenmedien über das Leben? Oder anders gefragt: Wie beeinflussen die Medien unser Leben?

 

Sex und Gewalt

Meike Uhrig, Expertin für Medienwirkungs-forschung

Sex and the City hat uns gelehrt, dass Sex nichts Schlimmes ist, man ihn möglichst oft haben sollte und am besten seinen Freundinnen davon erzählt. Gleichzeitig erfahren wir: Man kann in New York auch mit einer kleinen Sex-Kolumne überleben, sündhaft teure Schuhe kaufen und jeden Tag essen gehen. Zumindest in der fiktiven Welt von Carrie und Co.. Doch sind wir in der Lage, Realität und Unterhaltung wirklich zu trennen? Oder beeinflusst Carrie unser Shopping-Verhalten und Samantha unser Sex-Leben?

Meike Uhrig, Expertin für Medienwirkungsforschung der Uni Tübingen, sagt dazu: „Mit dieser Frage hat sich die Filmwissenschaft beschäftigt. Demnach können wir sehr wohl von Filminhalten beeinflusst werden, obwohl wir wissen, dass das was wir sehen nicht real und künstlich konstruiert ist. Wir rezipieren sozusagen unabhängig von diesem Bewusstsein.“

Außerdem beschäftigt sich auch die Medienwirkungsforschung immer wieder mit der Frage, wie sich Film und Fernsehen auf uns auswirken. Doch nicht die Auswirkungen auf unser Sexual- oder Shoppingverhalten stehen im Mittelpunkt, sondern oftmals die Gewaltdarstellung und deren Auswirkung auf den Rezipienten.

Als ein Pionier gilt Albert Bandura, der – verkürzt gesagt – sich mit dem Lernen am Modell auseinander gesetzt hat. Welche Verhaltensweisen eignet sich der Mensch durch Abgucken an, was lernt er durch ein Modell? In seiner sogenannten Bobo-Doll-Studie stellte er fest, dass Gewaltszenen (real wie auch filmisch) das Gewaltpotenzial bei Kindern fördern.

Doch ist es nicht zu einfach gedacht, dass ein Auslöser sofort eine Antwort nach sich zieht? Dieses stimulus-response-Modell wird in der Medienwissenschaft mittlerweile kaum noch als zeitgemäß betrachtet, weshalb auch Kunczik festhält: „Als abgesichert kann hingegen folgende Hypothese gelten: Je realistischer ein Film oder eine Fernsehsendung beurteilt werden, uni [sic!] so violenter werden sie auch empfunden.“ Das bedeutet nach Kunczik, dass Zeichentrickfilme (in den meisten Fällen) weniger gefährlich sind als Filme mit menschlichen Darstellern.

 

Doch wenn wir diese Überlegung für das Drama-Beispiel übernehmen – was bedeutet das?

Nach Kunczik könnte man somit als erste These aufstellen, dass eine shoppende Marge Simpson uns weniger zum Einkaufen verleitet als die Sex and the City-Darstellerinnen. Aber wie prägen die Figuren unsere Gefühle und Erwartungen?

Nehmen wir als aktuelles Beispiel den Film Freunde mit gewissen Vorzügen mit Justin Timberlake. Wünschen wir uns nicht auch, dass unser bester Freund nach einem großen Fehler einen riesigen Flashmob mitten in New York für uns organisiert? Oder wünschen wir uns von unserem (Ex-)Partner  nicht auch wie in Friends, dass er uns zum Flughafen nachfährt, um uns aufzuhalten? Die Überlegung wäre also, in wie fern wir nicht sofort auf das Gesehene reagieren, sondern Verhaltensmuster aus dem Fernsehen als ideal abspeichern und auf unser eigenes Leben übertragen. Erwarten wir von unserem besten Freund, dass er uns einen Flashmob organsiert oder dass der Exfreund uns doch am Flughafen abfängt?

Schaut man sich Facebook-Fan-Pages an, könnte man das vermuten. Nicht umsonst gibt es die Seiten Wegen Edward Cullen habe ich unerfüllbare Erwartungen an Männer oder Disney hat mir unrealistische Vorstellungen von Liebe vermittelt.

Doch was sagen die Medienwissenschaftler dazu? Meike Uhrig, Expertin für Medienwirkungsforschung, meint:

„Die Wechselwirkung zwischen (romantischem) Film- bzw. Fernsehinhalt und dem Alltagsleben des Zuschauers ist ein äußerst spannendes und extrem facettenreiches Thema. Man kann es  aus Richtung der Medienwirkungsforschung untersuchen und fragen, welche Auswirkungen die Medieninhalte auf Emotionen, Verhalten oder Einstellungen des Rezipienten haben.  Außerdem ist es möglich, das Ganze aus Sicht der Filmproduktion zu betrachten, die sich generell an Themenkomplexen orientiert, die Zuschauer gerne ansehen/erleben. Eine dritte Möglichkeit ist die, den Zuschauer als Ausgangspunkt der Untersuchung zu nehmen: Die Nutzungs- bzw. Rezeptionsforschung weist darauf hin, dass Zuschauer eben solche Inhalte nutzen, die sie in ihrem Alltag beschäftigen bzw. dass sie besonders die rezipierten Inhalte wahrnehmen, die mit ihrem Lebensentwurf übereinstimmen.“

Foto: Privat

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