Die Q&As – Dildos, Käfige und kein Happy End

von Sanja Döttling

Am Samstag stellten sich die Stars der „Rise’n Shine“ Convention den Fragen der Fans und erzählten Anekdoten. Randy Harrison interpretiert seine Version der Brian/Justin-Liebesgeschichte auf ganz eigene Art, Sharon Gless hat einen Dreier mit Ehemann und Dildos, und Thea Gill hält eine flammende Rede für liebevolles Mobben. Ausschnitte aus den Q&As.

 

 

Ted und Emmett

Scott Lowell und Peter Paige spielen in der Serie Queer as Folk die beiden Freunde „Ted“ und „Emmett“. Auch am Set waren die beiden fast unzertrennlich. „Eigentlich sind wir keine Method-Actors“, sagt Peter, „aber als Em und Ted sich in der Serie streiten, haben auch wir nicht mit einander gesprochen. Das war hart.“ Natürlich haben Charaktere, die man 15 Stunden am Tag verkörpert, auch Auswirkungen auf die Schauspieler. War Scott mit der Welt im Allgemeinen unzufrieden, musste Peter manchmal zu ihm sagen: „Das bist nicht du, das ist Ted!“

Peter stritt sich am Anfang der Serie mit der Kostümdesignerin. „Sie wollte Emmett einen großen Gartenhut verpassen“, sagte Peter. Er hat sich geweigert. Auch Scott hatte eine unheimliche Begegnung mit den Kostümbildnern. Er sollte eine kurze Lederhose und ein sehr, sehr enges weißes Tanktop tragen. „Ist das der Charakter, für den ich vorgesprochen habe?!“ wunderte er sich damals. Zum Glück haben sich diese Kostümideen nicht durchgesetzt.

 

Michael, Ben und Hunter

Robert Gant spielte Ben, Micheals Lebenspartner. Sein Charakter war der erste im Fernsehen, der einen HIV-Positiven darstellte, der nicht sofort zum Tode verurteilt wurde. Ihr späterer Adoptivsohn „Hunter“ ist ebenfalls HIV-positiv. „Das war der Grund, warum die beiden Charaktere ein so strakes Band verbindet“, sagt Hal Sparks. Die Rolle des Hunters „deckte all das ab, was wir bis dato noch nicht in der Show hatten“, sagt Hal Sparks: Er ist HIV-positiv, Teenager und wird von einem schwulen Paar adoptiert, ist aber heterosexuell.

Als Michael herausfindet, dass Ben HIV hat, weißt er ihn zuerst zurück. „Es gab eine unglaubliche Rückmeldung aus dem Publikum. Viele haben protestiert, dass hier die Angst vor HIV weiter geschürt würde“, erzählt Grant. „Dabei hatten wir schon die gesamte Staffel gedreht und wussten genau, dass die beiden ein Paar werden“, ergänzt Sparks, „es ist seltsam, diese Reaktion so viel später zu erleben.“

Ein Fan wollte wissen, ob die Drei Gegenstände aus der Serie behalten haben. Sparks sagt: „Wir haben beide unsere Eheringe noch.“ Gant ergänzt:  „Ich habe Bens Sonnenbrille, sein Professor-Jacket und Lederjacke behalten.“ Ganz praktisch denkt Harris Allan, der heute noch seine Schwimmkappe aus der Serie benutzt. Sparks fügte nicht ganz ernst hinzu: „Ach ja, die Sexspielzeuge haben wir natürlich auch noch.“

Der Charakter des Michael in der britischen Version von „Queer as Folk“ ist ein großer Doctor Who Fan. Hal Sparks sagt: „Das bin ich auch, deshalb machte das für mich Sinn.“ Allerdings ist in den USA Star Trek sehr viel bekannter. Also war Michael kurzzeitig ein Trekkie. „Doch Paramount wollte uns keine Szenen zeigen lassen. Also riefen mich am Dreh nachts die Produzenten an und meinten: Was hälst du von Comicheften?“ Und so wurde Michael Comicheft-Fan. Allerdings wollte DC keine seiner Comics im schwulen Kontext sehen. Marvel war das egal: Ihre Charaktere durften verwendet werden.

Eine kleine Gesangteinlagen von Comedian und Sänger Hal Sparks fehlte auch nicht:

 

Mel und Linds

The Gill und Michelle Clunie stellten in der Serie das einzige lesbische Paar da. „Ich hatte nie zuvor einen so straken Charakter gespielt“, sagt Clunie. Beide hatten kein Problem mit den zahlreichen Sexszenen. „Der erste Kuss machte keinen Unterschied“, sagt Gill. Clunie ergänzt: „Das kommt immer auf die Person an, nicht auf das Geschlecht.“ Die Intimität herzustellen, die zwischen den beiden Frauen herrschte, war für die Schauspielerinnen keine Schwierigkeit, weil sie sich von Anfang an sehr mochten. Clunie plaudert noch etwas aus dem Nähkästchen: „Ich identifiziere mich zwar als heterosexuelle Frau, habe aber auch schon mit Frauen geschlafen.“

Allerdings war der Dreier mit dem Charakter Linda sehr aufwühlend für Gill. „Ich habe nach dem Dreh weinen müssen. Die Szene war gefüllt mit Energie. Drei so strake Frauenfiguren in einem Bett zu sehen, war überwältigend und – beängstigend.“ Diese Energie würde sich nicht entwickeln, wenn ein Mann im Spiel gewesen wäre.

„Meiner Meinung nach“, sagt Gill, „hat die Serie Grenzen überschritten. Sie hat gezeigt, dass Sexualität schmutzig und dreckig ist – und manchmal auch falsch.“ Sie spielt dabei vor allem auf die Storyline an, in der ihr Charakter Lindsay mit einem Mann fremd geht. Sie fährt fort: „Aber das ist nunmal das, was wir sind.“ Auf die Diskriminierung und Mobbing von Minderheiten angesprochen, wird sie leidenschaftlich: „Ich finde nicht, dass wir Mobbing einfach über uns ergehen lassen sollten. Wir müssen die Anderen mit unserer Liebe terrorisieren, bis sie uns akzeptieren. Seid einfach ihr selbst!“

Das Publikum hat Tränen in den Augen und schenkt Gill Standing Ovations. Als Gill Clunie auch noch küsst, tobt der Saal.

 

Justin und Debbie

Eigentlich sollte Randy Harrison zusammen mit Gale Harold, dem Star der Serie, hier sitzen. Doch Gale hat sich entschuldigt und so ist Sharon Gless an Randys Seite. „Ich bin Gale Harold“, stellt sie sich vor.

Eine Frage brennt den Fans natürlich besonders auf der Zunge: Was glaubt Randy, wie die Liebesgeschichte zwischen Brian und Justin weitergeht, nachdem Justin nach New York gegangen ist? „Naja, ich denke, dass Justin in NY Erfolg hat und Brian nach und nach vergessen wird“, sagt er schulterzuckend. Der Saal ist empört. Er lenkt ein: „Jeder kann sich ja seine eigene Interpretation der Geschichte vorstellen.“ Ein Fan brüllt: „Lies Fanfictions!“ und Randy muss lachen.

Sharon hat für ihren Charakter eine ganze Hintergrundgeschichte ausgetüftelt. „Ich glaube, dass Debbie immer ihren eigenen Beauty-Salon haben wollte. Deshalb sieht sie auch so verrückt aus. Debbie sollte am Anfang 17 Perücken haben, doch dieser Part wurde leider gekürzt. Allerdings wurde sie sehr früh schwanger, ohne Mann, und musste deshalb im Diner anfangen zu arbeiten. Ich denke, dass sie kein Workaholic, sondern ein Socialholic ist: Das Diner und die Leute dort sind ihr Leben.“

Obwohl die anderen Schauspieler sehr viel mehr Sexszenen fingieren mussten als Debbie, hatte auch sie eine etwas „schumtzige“ Szene zu spielen gehabt: Vor ihrem ersten Date mit dem Polizist Carl bekommt sie eine Lehrstunde zum Thema Oraler Verkehr. „Mein Mann besuchte mich ein einziges Mal am Set in diesen fünf Jahren. Es war natürlich just dieser Tag!“ lacht Sharon.

Am Ende steht der Saal, klatschend. Sharon greift sich noch einmal das Mikrofon und sagt sichtlich emotional: „Es ist wohl die letzte Gelegenheit, das zu sagen: Ihr seid wunderbar!“

Damit geht der Q&A-Teil der Veranstaltung zu Ende.

 

Niemand schaut Fußball

Am Abend saß ganz Deutschland vor dem Fernseher und guckte das erste Deuschland-Spiel der EM – Moment mal. Ganz Deutschland? Nein! Denn im Club Gallery stieg die „Babylon Party“ im Rahmen der Convention. Der Verwinkelte Club mit den vielen Nischen und Tanzflächen beherbergte an diesem Abend eine bunte Mischung aus Schwulen, Lesben, Fangirls und Drag Queens.

Rosa Lampen beleuchteten weiße, ornamenthafte Verzierungen, die Galerie umschloss die Haupttanzfläche und bot perfekten Blick auf den übergroßen Vogelkäfig für spektakuläre Tanzeinlagen.  Robert Gant traute sich als erster: Der Schauspieler schwang sich in den Käfig und heizte den Fans richtig ein. Später gesellten sich Peter Paige und Michelle Clunie noch zu ihm  auf die Galerie,  um richtig Party zu machen – und zwar zur Original-Party-Mucke aus der Serie. Scott Lowell traute sich dann auch noch und beglückte die Fans mit ungelenken, gekonnt-dämlichen Tanzeinlagen ganz im Stile seines Charakters Ted. Die Musik, die Schauspieler, die Stimmung – für einen Moment schien das Gallery im Herzen Kölns die berüchtigte Disco Babylon in Pittsburgh zu sein. Auch der Aufbruch der Schauspieler tat der Partylaune dann keinen Abbruch mehr.

 

Mehr Fragen beantworteten die Schauspieler auf der Pressekonferenz am Freitag.

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