Der digitale Lehrer – YouTube und Co. als Lernplattformen

von Iris Hofmann

„Es ist des Lernens kein Ende.“ (Robert Schumann, deutscher Komponist (1810-56))

Gerade in unserer heutigen Informationsgesellschaft ist klar: Man lernt nie aus, dem Erwerb von Wissen sind keine Grenzen gesetzt. Dazu tragen Technologien wie das Internet bei. Auf unzähligen Websites kann man sich informieren. Ob man nun Informationen zu Themen wie Geschichte und Medizin sucht, sich über Neuigkeiten aus der ganzen Welt informieren will oder einfach nur ein neues Kuchenrezept ausfindig machen will – fast jedes nur denkbare Thema ist im Internet bereits vertreten.

Aber nicht ausschließlich Texte können uns im Internet informieren. Auch Portale wie YouTube, MyVideo oder Clipfish, die für Unterhaltung bekannt sind, bieten eine riesige Auswahlmöglichkeit, durch die man sich neues Wissen aneignen kann.

Lern- & Informationsangebote im Videoformat

Singen, Stricken, Golfspielen oder Arabisch lernen sind nur einige wenige Beispiele von Videoergebnissen, sucht man in YouTube nach dem Schlagwort „Lernen“. Zu allen möglichen Themen sind Videos vertreten. Derzeit besonders beliebt sind Videos, in denen schulische Themen erklärt werden. Bekanntes Beispiel hierfür ist Salman Khan. Khan, von Beruf ursprünglich Hedgefond-Analyst, beginnt seine YouTube-Karriere 2006 damit, Mathematik-Lehrvideos auf YouTube zu stellen. Dadurch möchte er die Nachhilfe, die er bisher seiner Cousine gegeben hat, für die weiteren Familienmitglieder ebenfalls zugänglich machen und ihnen die Möglichkeit geben, die Lektionen wann und so oft sie wollen abzurufen. Seine Videos helfen schließlich aber nicht nur der Familie. Er bekommt viele positive Kommentare und immer mehr Klicks.

Khan gründet ein Lernportal, das immer weiter wie ein soziales Netzwerk ausgebaut wird und nennt es „Khan-Academy“. Nutzer können sich ein Profil anlegen und ihren Erfolg in der Bearbeitung von Aufgaben verfolgen. Inzwischen hat Khan eine Vielzahl an Videos aus den Bereichen Physik, Chemie, Wirtschaft, Geschichte, Biologie und Computerwissenschaften ins Netz gestellt.

Selbst Hochschulen können das Internet nutzen, um ihren Studenten mehr Komfort zu bieten. Zum Beispiel besitzt die Universität Berkeley in den USA einen eigenen YouTube-Channel, über den Studierende Lektionen abrufen und dadurch wiederholen und lernen können.

Jedoch nicht nur Themen, die schulische oder universitäre Bildung betreffen, sind vertreten. Man findet ebenso unzählige Videos zum Lernen von Instrumenten, in denen beispielsweise Gitarrengriffe gezeigt werden, sowie Videos, mit denen man backen und kochen lernen kann. Selbst Videos, die Schmink- und Stylingtipps vermitteln, kommen nicht zu kurz.

YouTube und Co. als Lernportale?

Bieten Videoplattformen im Internet nun wirklich die Möglichkeit zu grenzenlosem Lernen? Es sind unvorstellbare Mengen an Themen vorhanden und obwohl sich die Zahl der Videos und die damit angesprochenen Themenfelder stetig vermehren, ist nicht jedes Thema und jedes Detail als Video zu finden. Meistens sind die Themen sehr gut erklärt und

Auch Stricken kann man online lernen

durch das Videoformat auch bildlich veranschaulicht. Zudem kann man davon ausgehen, dass eine Person, die sich ein Lernvideo absichtlich anschaut, dadurch auch ein sehr hohes Lernpotenzial hat. Das Medium des Videos liegt besonders nahe an der alltäglichen Wahrnehmung des Menschen, denn im Gegensatz zu statischen Bildern muss der Betrachter nicht erst eine Verbindung zwischen den einzelnen Bildern herstellen. Videos können komplexe Sachverhalte darstellen und damit die Informationsverarbeitung des Nutzers effektiver gestalten (Stephan, 2008). Wendet man Lernvideos beispielsweise an, um schwierige Themen zu wiederholen, ist die Chance für ein besseres Verständnis der Thematik hoch, da man sich noch einmal damit auseinandersetzt und dadurch seine Leistung entweder verbessern oder aufrecht erhalten kann (Hager & Hasselmann, 2000). Bekommt man, wie bei der Universität Berkeley, die Möglichkeit, im Internet eine Vorlesung virtuell zu besuchen, hat man die freie Wahl, entweder die ganze Vorlesung zu wiederholen oder nur Teile davon zu vertiefen. Hat ein Student die Vorlesung verpasst, kann er sie ganz leicht im YouTube-Channel nachholen.

Auf der anderen Seite bieten Massenmedien im Gegensatz zu einer Face-to-Face Situation nicht die Möglichkeit, bestimmte Dinge zu hinterfragen und dadurch bestimmte Aspekte detaillierter zu erfahren. Aus einem Video im Internet kann der Nutzer ausschließlich die Information entnehmen, die im Video angesprochen wird. Außerdem bietet das Onlineangebot meist für „digital immigrants“, das heißt die Generation, die nicht bereits mit dem Internet aufgewachsen ist und sich erst darin einfinden muss, Schwierigkeiten. „Digital immigrants“ sind im Gegensatz zu „digital natives“ (Unterscheidung nach Marc Prenzky) noch nicht so sehr an das Internet und dessen Methoden gewöhnt oder bevorzugen schlichtweg die Methoden, die sie auch vor dem Durchbruch des Internets genutzt haben.

 

Foto: Screenshot eliZZZa13/Stricken lernen 1 – Maschenanschlag (20.12.2011)

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