Antik ist out – oder?

von Andrea Kroner

Schon zum 54. Mal findet in Stuttgart die Antiquariatsmesse statt – gleichzeitig läuft in Ludwigsburg die Antiquaria. Beide präsentieren das Schönste aus fünf Jahrhunderten Buchdruck und Buchkunst und zählen zu den wichtigsten Veranstaltungen ihrer Art auf der ganzen Welt. Und sie haben vieles zu bieten: Von breit aufgestellten Antiquariaten über Spezialisten für Handschriften bis hin zu Experten einer bestimmten Epoche oder der östlicher Schriftkultur ist alles vertreten.

 

Highlights der Messe

Wenn man nur den Gesamtpreis aller Werke von etwa 5 Millionen Euro betrachtet, lässt das bereits viele Highlights erwarten: Das teuerste Buch liegt bei 760.000 Euro und stammt aus der Feder des französischen Dichters Octavien de Saint-Gelais aus dem Jahr 1494. Es ist ein Gesamtkunstwerk, mit Bildern aus kräftigen Farben und mit Gold verziert. Im Gegensatz dazu stehen die Zeichnungen Oskar Schlemmers aus dem 20. Jahrhundert. Seine Studien „Familie“ thematisieren seine Zerrissenheit zwischen Familienglück, Ausstellungsverbot  und Todesangst während des zweiten Weltkriegs in leuchtenden Farben. Obwohl das Kunstwerk noch nicht einmal ein Jahrhundert alt ist, muss man dafür 48.000 Euro bezahlen.

Auch Spielzeug gibt es auf der Messe zu finden: Nicht nur ausgefallene Pop-up-Bücher, sondern auch ein dänisches Papiertheater in Miniaturform aus dem Jahr 1884 ist zu bewundern. Äußerst detailgetreu gearbeitet, bietet es mit über 100 Figuren zahlreiche Möglichkeiten, Theaterstücke nachzuspielen oder selbst zu erfinden – wenn man 4.500 Euro dafür ausgeben möchte.

 

„Frauenpower“ im Antiquariat?

„Frauenpower“ – unter diesem Motto stehen die beiden Messen in diesem Jahr. Denn wie viele andere Berufsfelder auch, scheint das Antiquariatswesen von Männern dominiert zu werden. Es finden sich kaum Frauen in diesem Arbeitsbereich – von 217 Mitgliedern des Verbandes Deutscher Antiquare sind lediglich 39 weiblich. Und auch auf den beiden Messen waren nur 21 Antiquarinnen unter den 160 Ausstellern. Doch kann man deshalb gleich von einer Männerdomäne sprechen? Nein, meinen die Ausstellerinnen: Denn sie haben sich ihren Platz und ihre Berechtigung über die Jahre durch harte Arbeit und viel Fleiß redlich verdient.

Nicht nur im Bereich der Antiquare, sondern auch auf dem Büchermarkt sind Frauen zahlreich vertreten – schon seit Jahrhunderten als eines der Hauptthemen der Literatur, werden sie seit dem 19. Jahrhundert auch als erfolgreiche Autorinnen immer bedeutender.

 

Digitale Konkurrenz

Mittlerweile kauft bereits ein Großteil der Leser seine Bücher im Internet. Oft handelt es sich bei der online gekauften Version auch nicht mehr um die gedruckte Ausgabe, sondern um ein eBook. Das hat den Buchhandel in eine große Krise gestürzt und stärkt die Vormachtstellung einiger weniger Internetanbieter, auch wenn diese schon seit längerem in die Kritik geraten sind.

Diese Tendenz lässt sich auch bei antiken Büchern erkennen: Der Antiquitätenmarkt im Netz floriert und was einst selten und heiß begehrt war, gibt es nun in zahlreichen Versionen – sogar in Erstausgaben. Durch diese Ausweitung des Marktes werden Preise besser vergleichbar und transparenter und die Bücher können günstiger angeboten werden. Das ist für den Liebhaber zwar von Vorteil, zwingt aber viele Antiquariate zur Schließung. Doch sie haben der Übermacht auch etwas entgegenzusetzen: Einzigartigkeit. Viele spezialisieren sich und bieten ihren Kunden nur bestens erhaltene Exemplare exklusiv im Geschäft an.

 

Antik ist definitiv nicht out

Selbst wenn man sich als Student keines der ausgestellten Bücher leisten kann, ist es dennoch ein einmaliges Erlebnis, diese Schätze der Vergangenheit einmal in echt erleben zu können – allein schon des besonderen Flairs wegen, der die ganze Messe umgibt. Und diese Meinung teilen viele, denn beide Messen sind gut besucht.

 

Foto: flickr.com/Hoffnungsschimmer (CC BY 2.0)

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