E-Books: Probleme und Hoffnungen

von Alexander Karl

E-Books waren das Thema der diesjährigen Frankfurter Buchmesse. Doch der Marktanteil in Deutschland ist noch immer verschwindend gering: Im ersten Halbjahr 2011 lag er – je nach Quelle – zwischen 0,7 und 1,5 Prozent des Buchmarkts, eine aktuelle GfK-Studie sah den Umsatz bei 13 Millionen Euro.

Was sind die Probleme der digitalen Bücher und wo besteht Hoffnung auf Besserung?

Problem Nummer 1: Geringe Nachfrage.

Kassenschlagen wie Frank Schätzings ‘Limit’ sind im virtuellen Buchladen noch immer die Ausnahme: Über 10.000 mal wurde das Buch gekauft. Doch Bücher, die es nicht auf die Bestsellerliste geschafft haben, werden nur im zwei- oder dreistelligen Bereich gekauft. Wenn überhaupt. In den USA sieht das ganz anderes aus: Zehn bis zwölf Prozent des Buchhandelsumsatzes werden dort mit E-Books gemacht, so Buchmarktexperte Holger Ehling zur Deutschen Welle.

Problem Nummer 2: Das Angebot.

In Apples App-Store gehen viele Bücherangebote schnell unter, sagte Lutz Dursthoff, Cheflektor Sachbuch bei Kiepenheuer & Witsch, dem Spiegel. Denn unter den beliebtesten Apps finden sich nur selten Bücher, sondern eher Spiele. Im iBookstore hingegen tauchen die multimedial aufbereiteten Bücher (im Fachjargon enhanced ebooks) nicht auf – und so erfährt der Kunde in den seltensten Fällen von deren Existenz. Der Praxisbericht von Wolfgang Tischer zeigt aber wie einfach es ist, mit wenigen Verkäufen in den Top 100 der E-Book-Charts bei Amazon zu landen. Das spricht wiederum nicht wirklich für eine große Nachfrage…

 

Problem Nummer 3: Die Aufbereitung.

Die großen Verlage haben riesige Archive voll mit literarischen Schätzen – doch oftmals sind diese nicht digitalisiert, weshalb Satz und Umbruch neu gemacht werden müssen. Das kostet Zeit und Geld. Außerdem fehlt in vielen Verträgen ein Paragraph zur elektronischen Nutzung. Es muss also nachverhandelt werden und auch das kostet. Warten die Verlage damit aber zu lange, könnte das zur Folge haben, dass interessierte Leser sich die Bücher auf illegalem Weg holen. Und was das für Folgen hat, weiß die Musikindustrie.

 

Hoffnung Nummer 1: Enhanced Books.

Der Nutzen von Hyperlinks ist nicht nur Bloggern bekannt; auch in der Literatur werden sie immer öfter genutzt. So findet sich das digitalisierte Tagebuch des deutschen Autoren Erich Mühsam nicht nur im Netz – es ist auch angereichert mit vielen Querverweisen zu bekannten Persönlichkeiten. Spinnt man diese Idee weiter, gelangt man schlussendlich zu den sogenannten enhanced books, also Büchern mit Zusätzen. Dank iPad und Co. können Bücher nun zu multimedialen Erlebnissen werden. Ranga Yogeshwar Buch kommt etwa als mulimediale App daher, mit kreativer Menüführung und kreativen Clips.

Hoffnug Nummer 2: Billigere Geräte.

Das Kindle für 99 Euro, den Weltbild eBook Reader 3.0 für 59,99 Euro – das sind Kampfpreise für Lesegeräte.  So sehen das auch viele Experten, etwa Per Dalheimer, Geschäftsführer des E-Book-Händlers libri.de. Er sagte dem Focus: „Der jüngste Preisrutsch bei den Geräten führt dazu, dass E-Book-Reader künftig eher verschenkt werden als bisher.” Denn: Weihnachten naht und so sein Kindle macht sich unter dem Baum gut.

Foto: © Frankfurter Buchmesse / Alexander Heimann

3 Comments

    [...] – sie hat die digitale Revolution einfach verschlafen. Das gleiche kann man auch von der Buchindustrie behaupten, die noch immer größtenteils am gedruckten Buch festhält – oder für Kindle und [...]

  • Im SWR wurde noch über ein weiteren Aspekt nachgedacht – ist die Öko-Bilanz von E-Books besser oder nicht. Ob das der Akzeptanz hilft, weiß ich nicht, aber auch das will mitbedacht werden. Ich fände vor allem bei Schülern diese Idee nicht schlecht, um weniger schleppen zu müssen. Nur – wo malt man dann in langweiligen Englisch-Stunden dann Schnurrbärte in die Gesichter…
    http://www.swr.de/kultur/buch/-/id=3260/nid=3260/did=8721456/1lnpaip/index.html

  • Ich persönlich finde ja, dass sich e-books vor allem an der Unis lohnen – damit kann man die vielen .pdfs wahrscheinlich sogar günstiger lesen als wenn man sie ausdruckt. Und platzsparender ist es auch noch.
    Nur muss das ebook dazu einen guten Bildschirm haben. Sonst tritt wieder der – wie ich ihn nenne – Bildschirm-Effekt auf: Sobald das pdf am Laptop geschlossen wird, kann man sich an nichts mehr dessen erinnern, was man gerade gelesen hat.

    Vor allem die Kommentar- und Markier- Funktionen finde ich verlockend – das ist sicher übersichtlicher als die kritzeleien am Rand von den Ausdrucken.

    Für Freizeitlektüre gilt aber weiterhin: Ein ordentliches Buch muss her. Aus Papier. Das schwer ist, verknickt werde kann und Platz im Bücherregal wegnimmt. Sozusagen als Trophäe: Ja, das hab ich wirklich alles gelesen (bis auf Twilight, das war ein Fehlkauf).




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