2 Broken Down – eine Filmkritik

von Marius Lang und Selina Juliana Sauskojus

Wettschulden sind Ehrenschulden. Beinhalten diese Wettschulden allerdings, dass man sich einen Teil der Twilight-Verfilmungen ansehen muss, dann führt es eher zur kompletten Entwürdigung des Verlierers. Und die Oscar-Wette ergab dann schließlich ein Unentschieden: Gemeinhin das Äquivalent einer beidseitigen Niederlage. Im Schluss bedeutet dies, dass wir uns diese Entwürdigung gemeinsam antun mussten, denn geteiltes Leid ist halbes Leid.

„Breaking Dawn – Teil 2“ schaffte es bei der Verleihung der Goldenen Himbeere  so miserable Konkurrenten wie „Der Chaos Dad“ oder Battleship“ sowohl bei den Nominierungen als auch bei den Siegen weit hinter sich zu lassen. Am Ende konnte der Film sieben der zehn Preise gewinnen. Jeden davon verdient. Applaus für eine derart schlechte Gesamtleistung.

Der Krampf beginnt

Zunächst glauben wir, noch nie einen so langen Vorspann gesehen zu haben. Selbst die bekanntermaßen langen Opening Credits der Spider Man-Filme wirkten dagegen kurz. Die Langeweile kriecht uns in alle Glieder. Wie kann es denn sein, dass so viele Menschen an diesem Murks mitgearbeitet haben? Und selbst wenn wir davon ausgehen, dass all diese Menschen daran beteiligt waren, wäre es nicht naheliegender, seinen Namen nicht in dieser zelluloidgewordenen üblen Unterhaltung erwähnt zu wissen? Ja, wir müssen zugeben, das machte schon traurig und betroffen.

Betroffen schauen, bitte!

Apropos betroffen. Man will fast meinen, es wäre absolute Grundvoraussetzung beim Casting gewesen, Darsteller zu finden, die möglichst betroffen schauen können. Und das tun sie. Ständig. Leider nicht mal besonders gut, so oft schauderten wir angesichts der schlechten Darstellung. Ob Kristen Stewart das allerdings absichtlich macht oder ob sie es einfach nicht besser kann, das sei dahingestellt. Als sie ihr Baby zum ersten Mal in den Armen hält, hätte man genauso gut vermuten können, dass sie sich einen Holzscheit anschaut, statt des Babies, das sie beinahe das Leben gekostet hätte.

Das Baby von Bella und Edward ist in diesem Film zudem die wohl gruseligste Plotdevice. Zunächst handelt es sich um ein Baby mit CGI-Visage, um Bella möglichst ähnlich zu sehen. Ein bisschen wie Schwarzeneggers Kind in „Junior“, nur noch eine Spur unangenehmer. Die Filmemacher generierten damit eine Horrorvision des menschlichen Nachwuchses.

Schwanzwedelnde Wölfe

Das Gesicht jedoch beiseite: Bellas bester Freund und Edwards Nebenbuhler Jacob Ohneshirt ist jedenfalls jetzt nicht mehr scharf auf Bella, sondern auf ihr Baby. Er war wohl schon immer irgendwie auf ihre Eizellen geprägt. Und das macht jetzt alles Sinn, irgendwie. Es ist überhaupt nicht ekelhaft oder pädophil, denn sie wächst ja schnell und was bitte hat sich die Autorin dabei eigentlich gedacht? Übelkeit gesellt sich zu unserer Langeweile. Wie sollen wir das nur durchstehen?

Ekel beiseite, das Baby ist der Grund für die Krise im Vampirparadies, denn irgendeine Verwandte der Cullens denkt, es sei ein Kind, das zum Vampir gemacht wurde. Das wiederum finden die Volturi nicht so gut, finstere Gesellen, angeführt von einem übertrieben spielenden Michael Sheen. Bei dem fragt man sich, ob er als eigentlich guter Schauspieler aus Spaß mitmacht oder, so wie wir, eine Wette verloren hat. Jedenfalls rufen die Volturi jetzt zum Gegenschlag auf. Allzu eilig haben sie es damit allerdings nicht, denn die Cullens haben immer noch Wochen Zeit Vorbereitungen zu treffen.

Vampire fahren Volvos

Aber wir wollen Gnade walten lassen. Der Film wies natürlich auch durchaus Positives auf. Insbesondere ist da natürlich das meisterhaft inszenierte Product-Placement zu nennen. Vampire fahren Volvo. Und wenn die Taktik aufging, tun dies jetzt auch Millionen verwirrter Teenies in den USA. Warum fahren die Volturi eigentlich keinen Volvo, wäre die Alliteration doch genauso schön gewesen? So hätte sich die ganze Chose zumindest nicht gar so lange gezogen und wir hätten uns ganz auf die finale Schlachtszene konzentrieren können.

Selbstbeherrschung rules!

Tatsächlich hatte diese Szene sogar einige erhellende Momente. Nachdem wir schon komplett resigniert hatten, und nicht einmal mehr lachen konnten über die Abstrusität des Ganzen, da haben sich die Filmemacher doch noch ein bisschen ins Zeug gelegt. Der finale Kampf ist nicht nur humorvoll schlecht choreographiert, hier können auch  alle Vampire ihre „Superkräfte“ einsetzen. Da gibt es eine die Blitze wirft, einen der die Elemente beherrscht, einen der Briten nicht mag und natürlich Bella die sich beherrschen kann. Eine Fähigkeit, mit der sie mit Sicherheit nicht Mitglied der X-Men werden könnte.

Und plötzlich konnte man sich auch vor wunderbaren Cameos nicht mehr retten. Eine sehr gut getarnte Uma Thurman aka Jamie Campbell Bower ließ allerdings die Macheten stecken und war, dem Film angemessen, eher unnütz. Aber als wir dachten, dass nun plötzlich unser liebster Reiterfürst Drogo die Szenerie betritt, war es doch nur ein langsam sprechender Vampir-Mensch-Mischling. Wäre der nur eine halbe Stunde früher gekommen, eine Menge Nerven wären uns erspart geblieben.

Dieses Baby!

Unsere Nerven liegen blank. Nach 115 Minuten endet der Film. Breaking Dawn 2, das ist Horror pur. Wir fassen zusammen: Dem Film mangelt es an allem. Die schauspielerische Leistung ist im besten Falle durchschnittlich, im schlimmsten schrecklich. Die Dialoge sind schlicht nicht gut. Eine Story ist praktisch nicht existent, die Effekte dem Budget nicht angemessen und man will gar nicht wissen, was sich die Drahtzieher bei einigen Bestandteilen (DIESES BABY!) eigentlich dachten.

Es wäre bestimmt ein Mordsspaß für den Sieger gewesen, zu wissen dass der Verlierer der Oscar-Wette gänzlich alleine durch die Sache durch muss. Doch gemeinsam war es dann leichter zu schaffen. Wir haben gelitten, wir haben mit unserem guten Geschmack gekämpft. Wir haben uns sogar noch mit dem Film beschäftigt, um diese Kritik zu liefern. Und am Ende waren wir siegreich. Wir haben triumphiert, Twilight hinter uns gelassen und sind noch stärker, wenn auch entnervt aus diesem Erlebnis hervorgegangen. Und gelernt haben wir auch noch etwas daraus: Selbst wenn das Leben noch so hart mit dir ist, immerhin zwingt es dich nicht, Twilight zu sehen. Es sei denn, du hast eine Wette verloren.

Foto: Copyright, Sanja Döttling

 

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